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> EDITORIAL Heft Nr. 68 (Juni 2017)

Europa und Afrika

Wenn heute von Europa und Afrika gesprochen wird, dann geht es häufig um die Flüchtlinge aus dem Süden, von denen viele im Mittelmeer ertrinken. Als wenn es so neu wäre, dass aus Afrika, der „Wiege der Menschheit“, aufgebrochen wurde nach Norden in den „fremden Erdteil“, der nach einer Verheißung der Aphrodite, der griechischen Göttin der Liebe, der Schönheit und der sinnlichen Begierde, den Namen Europa erhalten sollte.

So verknüpft sich das Althergebracht-Mythische mit dem Aktuellen. Ist doch Griechenland einer der europäischen „Frontstaaten“, wo die Menschen aus Afrika zuerst stranden. Ausgerechnet Griechenland, das in den vergangenen Jahren wegen seiner Finanzprobleme in der Euro-Zone gemaßregelt wurde. Dass die damit verbundenen Sparzwänge besonders arme, kranke und behinderte Menschen trifft, liegt nahe. Um den damit verbundenen psychosozialen Folgeschäden zu begegnen, dazu trägt „Unser großes Haus“ für Kinder mit und ohne Behinderung bis zum ersten Lebensalter und ihren Eltern bei. Christine Märkl berichtet auf Seite 6.

Menschen auf der Flucht aus Afrika brauchen auch viel Kraft und müssen fit sein, um den langen Weg bis nach Europa zu bewältigen. Was aber machen jene, die aufgrund von Behinderung diese Strapazen nicht bewältigen können? In Angola zum Beispiel gibt es viele Menschen, die infolge von Malaria, Polio, aber auch Verkehrsunfällen und besonders durch Tretminen behindert wurden. Francis Müller und seine Begleiterin Bitten Stetter haben das Land besucht und mit den Menschen gesprochen. Daraus ist ein Buch entstanden, das uns Erika Feyerabend vorstellt (Seite 1).

Wenn es schon für Erwachsene mit Behinderung schwierig ist zu flüchten, dann erst recht für Kinder. Gerade sie haben noch das besondere Bedürfnis schulischer Bildung, die in Afrika überhaupt nicht selbstverständlich ist. Nun ist im Senegal die erste barrierefreie Realschule des Landes in der Stadt Thiés, ca. 75 Kilometer östlich der Hauptstadt Dakar eröffnet worden. Projektkoordinator Lukas Groß berichtet vom Konzept und der Umsetzung (Seite 4).

Eingedenk der hier vorgestellten europäisch-afrikanischen Erfahrungen hoffen wir, dass wir ein besseres und tieferes Verständnis von Behinderung hier und anderswo bekommen.

In diesem Sinne für die newsletter-Redaktion

VOLKER VAN DER LOCHT

Die aktuelle Ausgabe Nr. 68 des newsletter Behindertenpolitik erschien als Beilage zu BIOSKOP Nr. 78.

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