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EDITORIAL Heft Nr. 80 (Juni 2020)

Corona und der Strahlenkranz der Sonne

JedeR denkt natürlich sofort an das Corona-Virus. Das ist nicht ganz falsch, sollte uns aber nicht davon abhalten, das Naheliegende mit etwas Abstand zu betrachten. Korona, lat. Corona, bedeutet Kranz oder Krone und ist ein geläufiger Begriff in der Astronomie. Die Sonnenkorona wird während einer Sonnenfinsternis sichtbar, wenn der dunkle Mond sich vor die leuchtende Sonne schiebt und nur noch die leuchtende Gasatmosphäre der Sonne sichtbar bleibt.

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Von alters her verband man mit dem fahlen Korona-Licht der Sonnenfinsternis unselige, bedrohliche Ereignisse. So ist uns von Herodot die Anekdote überliefert, wonach Thales von Milet für die Zeit eines Krieges zwischen den Medern und den Lydern eine Sonnenfinsternis vorausgesagt habe. Als diese tatsächlich eintrat, hätten die Gegner den Kampf erschreckt beendet und Frieden geschlossen. Wie schön!

Derart positive Effekte können wir heute auch in der Covid-19-Finsternis erleben, wenn wir an die geringere Luftverschmutzung, weniger Auto- und Flugverkehr denken. Noch hat sich das aber nicht verstetigt, und die Einschränkungen durch das Virus betreffen in besonderer Weise Menschen mit Behinderungen. Erika Feyerabend berichtet über die Erkenntnisse der Antidiskriminierungsstelle des Bundes auf Seite 2. Ebenso empfinden Eltern von kleinen und von inzwischen erwachsenen Kindern mit Behinderungen die Quarantänebestimmungen als diskriminierend – dazu der Bericht eines Vaters auf Seite 8 und einige Meldungen zum Lockdown im Förderschulbereich (Seite 3).

Uneins sind sich die Astronomen und AlthistorikerInnen, wann die Meder und Lyder ihren Krieg beendeten – bei der Sonnenfinsternis vom 28. Mai 585 v. Chr. oder bei der vom 16. März 581 v. Chr. Das ist wie bei den Virologen heute. In diesem Sinne berichtet Volker van der Locht über die Vielfältigkeit in dem Wissenschaftszweig der Disability Studies auf Seite 5.

Eine Sonnenfinsternis dauert nur wenige Augenblicke, die Sonne erstrahlt erneut und vertreibt die Finsternis. So gibt es auch heute „Wege aus den Krisen“: zum Beispiel der Kiebitzhof in Gütersloh, wo Menschen mit und ohne Behinderung im ökologischen Landbau tätig sind (Seite 7).

Mag die Covid-19-Finsternis auch einigen Verdruss erzeugen, so hoffen wir doch, mit solchen Initiativen einen kleinen Hoffnungsschimmer gleich einem Lichtkranz (Korona) aufgezeigt zu haben.

Für die newsletter-Redaktion

VOLKER VAN DER LOCHT

Die aktuelle Ausgabe Nr. 80 des newsletter Behindertenpolitik erschien als Beilage zu BIOSKOP Nr. 90.

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